Kurz gesagt
Lasertherapie (Photobiomodulation) zeigt in kontrollierten Studien am Pferd ermutigende Hinweise bei Sehnen- und Bandverletzungen: bessere Faserorganisation im Gewebe, weniger Schmerz und Schwellung (Pluim 2022, Zielinska 2020). Die Gesamtevidenz stuft das RCVS als schwach ein (Rushing 2023). Oliver Winkel, mobiler Tierheilpraktiker in Berlin und Brandenburg, setzt Photobiomodulation als ergänzendes Verfahren zur tierärztlichen Behandlung ein.
Wann du sofort zum Tierarzt gehst
- Plötzliche, deutliche Verschlechterung oder starke Schmerzen
- Das Tier belastet ein Bein nicht mehr oder frisst gar nicht
- Fieber, Schwellung mit Wärme oder gestörtes Allgemeinbefinden
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Vier Wochen Boxenruhe, kontrolliertes Schrittführen, Ultraschallkontrolle. Und trotzdem fragst du dich jedes Mal, wenn dein Pferd den ersten Trab auf dem Zirkel antritt: Hält die Sehne? Bei Sportpferden enden Sehnen- und Bandverletzungen oft in einer Spirale aus langer Pause, vorsichtigem Aufbau und der leisen Angst vor dem Rückfall. Genau hier stellt sich für viele Halter die Frage, ob es neben Ruhe und tierärztlicher Versorgung noch etwas gibt, das den Heilungsprozess unterstützen kann.
Lasertherapie (Photobiomodulation) ist eines der Verfahren, das in der Pferdemedizin zunehmend untersucht wird. Diese Seite ordnet die aktuelle Studienlage für dich ein: mit Quellenangaben, mit klarer Benennung der Grenzen und ohne Versprechen, die die Forschung nicht hergibt.
Wie wirkt Lasertherapie auf Zellebene?
Photobiomodulation (PBM) nutzt rotes Licht (um 630 bis 670 nm) und nahinfrarotes Licht (um 808 bis 980 nm). Diese Wellenlängen werden in den Mitochondrien aufgenommen und beeinflussen dort die Energiebereitstellung (ATP). In der Folge können zelluläre Reparaturprozesse angeregt werden.
Das Verfahren ist nicht invasiv und wird in der Regel als gut verträglich beschrieben. In keiner der hier zitierten Studien traten relevante Nebenwirkungen wie Hautverbrennungen oder Verhaltensauffälligkeiten auf.
Hilft Lasertherapie bei Sehnenverletzungen beim Pferd?
Sehnen- und Bandverletzungen gehören zu den häufigsten Gründen für lange Ausfallzeiten bei Sportpferden. Das Rückfallrisiko liegt in der Literatur bei bis zu 80 Prozent, je nach Lokalisation und Schwere der Läsion. Deshalb wird intensiv nach ergänzenden Verfahren gesucht.
Zwei Studien liefern hier die relevantesten Hinweise:
Pluim et al. (2022) untersuchten Hochleistungslaser an 12 Warmblutpferden mit 48 standardisiert erzeugten Läsionen in den Fesseltrageästen. Nach vier Wochen täglicher Bestrahlung zeigte sich im behandelten Gewebe eine bessere Faserorganisation und weniger unreifes Narbengewebe (Kollagen Typ III). In der Langzeitgruppe (sechs Monate) waren die behandelten Läsionen signifikant kleiner.
Zielinska et al. (2020) arbeiteten mit 26 Sportpferden und 29 natürlich entstandenen Sehnen- und Bandläsionen. Nach 15 Laser-Sitzungen beobachteten sie in der Behandlungsgruppe weniger Palpationsschmerz, weniger Schwellung und weniger Lahmheit im Vergleich zur Kontrollgruppe.
Die Kernerkenntnis: Auf Gewebeebene und in ersten klinischen Beobachtungen zeigen sich positive Signale. Das bedeutet nicht, dass Lasertherapie Sehnen heilt. Es bedeutet, dass der Körper unter Bestrahlung in diesen Studien messbar anders reagiert hat als ohne.
Wenn dein Pferd bereits lahmt und der Tierarzt zunächst keinen Befund erhebt, kann eine systematische Alltagsbeobachtung der nächste sinnvolle Schritt sein.
Für Zahlen-Interessierte
Pluim 2022: kontrollierte experimentelle Studie, chirurgisch erzeugte Läsionen (nicht natürlich entstanden), tägliche Bestrahlung über 4 Wochen. Zielinska 2020: randomisierte klinische Studie, ungleiche Gruppengrößen, Beobachtungszeitraum rund 40 Tage, kein Langzeit-Follow-up. Palpationsschmerz p = 0,023, Schwellung p = 0,008, Lahmheit p = 0,044. Läsionsanteil im Ultraschall sank von 24,1 auf 15,7 Prozent.
80 Prozent Rückfallrisiko bei Sehnenschäden. Wenn Boxenruhe allein nicht reicht, lohnt sich ein Blick auf das, was die Forschung tatsächlich zeigt.
Was zeigen Studien bei Rückenbeschwerden?
Rückenbeschwerden äußern sich im Alltag oft durch Steifheit, Sattelzwang oder nachlassende Leistungsbereitschaft. Ein steifes Pferd kann viele Ursachen haben, und die tierärztliche Abklärung steht hier an erster Stelle.
Das systematische Review von Millis und Bergh (2023) fasste sechs Schmerzstudien zur Lasertherapie beim Pferd zusammen und fand signifikante Hinweise auf eine Reduktion von Rückenschmerz. Allerdings basierten die zugrundeliegenden Studien auf Designs ohne Kontrollgruppe, was die Aussagekraft deutlich einschränkt.
Das bedeutet: Es gibt erste Anhaltspunkte. Für belastbare Aussagen braucht es kontrollierte Studien mit größeren Fallzahlen.
Und bei der Wundheilung?
Hier ist das Bild anders. Dasselbe Review (Millis und Bergh 2023) wertete acht Studien zur Wundheilung aus. Die Ergebnisse waren überwiegend negativ, besonders bei chirurgisch gesetzten Wunden zeigten sich keine Vorteile gegenüber der Kontrollbehandlung.
Das ist ein nützliches Ergebnis, weil es zeigt: Lasertherapie ist kein Universalwerkzeug. Die Wirkung hängt davon ab, welches Gewebe und welche Art von Verletzung vorliegt.
Wie belastbar ist die Gesamtevidenz?
Eine strukturierte Evidenzbewertung des RCVS (Rushing 2023) stuft die Gesamtevidenz zur Lasertherapie bei Fesseltrageband-Problemen als schwach ein. Das systematische Cochrane-basierte Review von Millis und Bergh (2023), erstellt auf Basis von 20 Pferdestudien, kommt zu einem ähnlichen Schluss: Die Ergebnisse sind widersprüchlich, ein Konsens über optimale Behandlungsprotokolle (Wellenlänge, Dosis, Häufigkeit) fehlt, und das Bias-Risiko vieler Studien wird als hoch oder moderat eingestuft.
Was das bedeutet: Positive Hinweise existieren. Gesicherte Erkenntnisse noch nicht. Das ist kein Grund zur Enttäuschung, sondern der normale Stand einer Forschung, die bei Pferden noch am Anfang steht. Für den Vergleich: Bei der Magnetfeldtherapie für Pferd und Hund sieht die Lage ähnlich aus.
Was heißt das für dich und dein Pferd?
Lasertherapie ersetzt keinen Tierarzt. Bei Sehnen- und Bandverletzungen, Rückenproblemen oder Wunden steht die tierärztliche Diagnostik immer an erster Stelle. Lasertherapie kann als ergänzendes Verfahren in ein Gesamtkonzept eingebettet werden.
Die bisherige Forschung liefert Hinweise, keine Gewissheiten. Die positiven Beobachtungen bei Sehnen und Bändern sind die stärksten Signale in der Pferdeforschung. Bei Wundheilung zeigen die Studien bisher keine Vorteile. Die Verträglichkeit scheint gut.
Wenn dein Pferd auch unter Arthrose oder Muskelaufbau-Themen leidet, lohnt sich ein Blick auf die jeweilige Studienlage, bevor du dich für oder gegen ein Verfahren entscheidest.
Wie Oliver Winkel mit Lasertherapie arbeitet
Wer mich auf dem Hof besucht oder bei einem mobilen Termin in Berlin und Brandenburg erlebt, merkt schnell: Ich fange nicht mit dem Gerät an. Ich fange mit dem Gangbild an, auf hartem Boden, auf weichem Boden, im Stehen, im Wenden. Erst wenn ich verstehe, wo das Pferd kompensiert, setze ich Technik ein.
In meiner Praxis arbeite ich mit einer Kombination aus Hochfrequenz-Induktion und Photobiomodulation. Wenn nötig, ergänze ich das durch eine individuelle Fütterungsanalyse, weil Bewegungsapparat und Versorgungslage oft enger zusammenhängen, als Halter vermuten. Ich verspreche keine Wunder. Ich begleite Halter und Tier so, dass beide wissen, woran sie sind.
Wenn du einen Termin vereinbaren möchtest, erreichst du mich hier.
Kennst du einen Pferdehalter, der gerade mit einer Sehnenverletzung kämpft? Dann leite ihm diese Seite weiter.
Quellen
- Pluim M, Heier A, Plomp S et al. (2022). Histological tissue healing following high-power laser treatment in a model of suspensory ligament branch injury. Equine Veterinary Journal, 54(6), 1114-1122. DOI: 10.1111/evj.13556
- Zielinska P, Nicpon J, Kielbowicz Z et al. (2020). Effects of High Intensity Laser Therapy in the Treatment of Tendon and Ligament Injuries in Performance Horses. Animals, 10(8), 1327. DOI: 10.3390/ani10081327
- Millis DL, Bergh A (2023). A Systematic Literature Review of Complementary and Alternative Veterinary Medicine: Laser Therapy. Animals, 13(4), 667. DOI: 10.3390/ani13040667
- Rushing JB (2023). Does high-intensity laser therapy speed return to primary function in horses with suspensory ligament desmopathy? Veterinary Evidence, 8(1). DOI: 10.18849/ve.v8i1.564
Dieser Artikel dient der ergänzenden Orientierung und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung.

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Häufige Fragen
Was ist Photobiomodulation beim Pferd?
Photobiomodulation ist eine nicht invasive Lichtanwendung, bei der rotes und nahinfrarotes Licht auf das Gewebe trifft. Umgangssprachlich wird sie auch Lasertherapie oder Lichttherapie genannt. Das Licht wirkt auf die Mitochondrien der Zellen und soll dort Reparaturprozesse und Durchblutung anregen. Sie wird ergänzend zur tierärztlichen Behandlung eingesetzt und ersetzt keinen Tierarzt.
Wie läuft eine Photobiomodulation-Behandlung beim Pferd ab?
Ein Handstück oder eine Sonde wird über die betroffene Körperregion geführt, zum Beispiel eine Sehne oder den Rücken. Die Anwendung ist schmerzfrei und dauert je Stelle nur wenige Minuten. Meist sind mehrere Sitzungen nötig. Beim Pferd findet die Behandlung vor Ort im Stall statt, immer ergänzend zur tierärztlichen Abklärung.
Bei welchen Beschwerden wird Photobiomodulation beim Pferd eingesetzt?
In der Praxis wird sie vor allem bei Sehnen- und Bandthemen, Rückenbeschwerden und in der Wundheilung ergänzend eingesetzt. Kontrollierte Studien zeigen bei Sehnen erste ermutigende Hinweise, die Gesamtevidenz stuft das RCVS jedoch als schwach ein. Sie ist ein unterstützendes Verfahren, keine eigenständige Heilbehandlung, und ersetzt die tierärztliche Diagnose nicht.
Ist Photobiomodulation dasselbe wie Lasertherapie beim Pferd?
Im Alltag werden die Begriffe meist gleichbedeutend verwendet. Photobiomodulation ist der wissenschaftliche Fachbegriff für die Anwendung von rotem und nahinfrarotem Licht mit niedriger Leistung, die häufig Lasertherapie oder Low-Level-Lasertherapie genannt wird. Gemeint ist in beiden Fällen dieselbe lichtbasierte, nicht invasive Methode.
Kann Lasertherapie Sehnenverletzungen beim Pferd heilen?
Nein. Lasertherapie (Photobiomodulation) kann Sehnenverletzungen nicht heilen. In ersten kleinen Studien wurden Verbesserungen bei Schmerz, Schwellung und Lahmheit beobachtet (Zielinska 2020), und auf Gewebeebene zeigte sich eine bessere Faserorganisation (Pluim 2022). Ob das Verfahren dafür ursächlich ist, lässt die bisherige Studienlage nicht sicher sagen. Tierärztliche Diagnostik und Behandlung stehen immer an erster Stelle.
Ist Lasertherapie beim Pferd sicher?
In den bisherigen Studien wurden keine relevanten Nebenwirkungen beobachtet. Weder Hautverbrennungen noch Verhaltensauffälligkeiten traten in den kontrollierten Untersuchungen auf. Die Anwendung gilt als nicht invasiv und wird allgemein als gut verträglich beschrieben. Die Durchführung sollte durch geschulte Therapeuten erfolgen, die die richtigen Parameter für das jeweilige Gewebe wählen.
Was kostet Lasertherapie beim Pferd?
Die Kosten variieren je nach Therapeut, Region und Behandlungsumfang. Bei Tierheilpraktikern und Pferdephysiotherapeuten liegen die Preise in der Regel zwischen 25 und 50 Euro pro Sitzung. Manche Anbieter bieten Pakete oder 10er-Karten an. Erkundige dich direkt bei deinem Therapeuten nach den genauen Konditionen und frage, wie viele Sitzungen für dein Pferd voraussichtlich geplant sind.
Wie oft muss Lasertherapie beim Pferd angewendet werden?
Die Behandlungshäufigkeit hängt von der Indikation ab. Bei akuten Verletzungen werden häufig zwei bis drei Sitzungen pro Woche empfohlen, bei chronischen Beschwerden eher eine Sitzung wöchentlich. Insgesamt werden oft fünf bis fünfzehn Sitzungen geplant. Eine Sitzung dauert je nach Region und Gerät zwischen 2 und 20 Minuten. Dein Therapeut oder Tierarzt kann den Behandlungsplan individuell auf dein Pferd abstimmen.
Hilft Lasertherapie bei Rückenschmerzen beim Pferd?
Es gibt erste Hinweise aus der Forschung, dass Lasertherapie bei Rückenschmerzen beim Pferd unterstützend wirken könnte. Ein systematisches Review (Millis und Bergh 2023) fasste mehrere Schmerzstudien zusammen und fand signifikante Ergebnisse. Die zugrundeliegenden Studien arbeiteten allerdings ohne Kontrollgruppen, sodass die Aussagekraft eingeschränkt bleibt. Die tierärztliche Abklärung der Ursache ist unverzichtbar.
Wirkt Lasertherapie beim Pferd auch bei Wundheilung?
Die bisherige Studienlage zur Wundheilung beim Pferd ist nicht überzeugend. Ein systematisches Review (Millis und Bergh 2023) wertete acht Studien aus und fand überwiegend negative Ergebnisse, besonders bei chirurgisch gesetzten Wunden. Das bedeutet nicht, dass das Verfahren grundsätzlich unwirksam ist, aber die Forschung zeigt bislang keine klaren Vorteile bei dieser Anwendung.
Wie funktioniert Photobiomodulation auf zellulärer Ebene?
Bei der Photobiomodulation wirken bestimmte Lichtwellenlängen (rotes und nahinfrarotes Licht) auf Strukturen in den Mitochondrien der Zelle. Dort beeinflussen sie den Zellstoffwechsel und insbesondere die Bereitstellung von Energie in Form von ATP. In der Folge können zelluläre Reparaturprozesse angeregt werden. Das Verfahren ist nicht invasiv und dient der ergänzenden Unterstützung.
Quellen
Die wissenschaftliche Grundlage zu diesem Ratgeber. Jede Angabe verweist auf die frei einsehbare Originalstudie.
- Pluim M, Heier A, Plomp S et al. (2022). Histological tissue healing following high-power laser treatment in a model of suspensory ligament branch injury. Equine Veterinary Journal. PubMed
- Zielinska P, Nicpon J, Kielbowicz Z et al. (2020). Effects of High Intensity Laser Therapy in the Treatment of Tendon and Ligament Injuries in Performance Horses. Animals. PubMed
- Millis DL, Bergh A (2023). A Systematic Literature Review of Complementary and Alternative Veterinary Medicine: Laser Therapy. Animals. PubMed
- Rushing JB (2023). Does high-intensity laser therapy speed return to primary function in horses with suspensory ligament desmopathy?. Veterinary Evidence. DOI
- Witte S, Dedman C, Harriss F et al. (2016). Comparison of treatment outcomes for superficial digital flexor tendonitis in National Hunt racehorses. The Veterinary Journal. PubMed
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