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Magnetfeldtherapie (PEMF) bei Pferd und Hund: Studien, Grenzen und was wirklich zählt

Von Oliver Winkel, mobiler Tierheilpraktiker ·

Kurz gesagt

Magnetfeldtherapie (PEMF) kann bei Hunden mit Arthrose die Gangsymmetrie und Beweglichkeit unterstützen, aber nur bei regelmäßiger Anwendung über mehrere Wochen. Einzelsitzungen zeigen keinen nachhaltigen Effekt. Beim Pferd fehlen bislang belastbare kontrollierte Studien. PEMF ist kein Ersatz für den Tierarzt. Einschätzung von Oliver Winkel, mobiler Tierheilpraktiker für Pferd und Hund in Berlin und Brandenburg.

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Diese Seite gibt Orientierung, ersetzt aber keine tierärztliche Untersuchung.

Spar dir den teuren Einzeltermin. Die Studienlage ist hier eindeutig: Eine einzelne Magnetfeldtherapie-Sitzung bringt deinem Pferd oder Hund keinen messbaren Vorteil. Wer nur einmal behandelt, kann das Geld auch in den Wind schreiben. Was dagegen Hinweise auf echte Effekte liefert, ist Regelmäßigkeit über Wochen. Das ist die eine Erkenntnis, die sich durch alle vier kontrollierten Studien zieht und die viele Anbieter dir nicht so klar sagen.

Dieser Artikel ordnet die aktuelle Forschung zur pulsierenden Magnetfeldtherapie (PEMF) bei Pferd und Hund ein. Keine Werbeversprechen, keine Verharmlosung, keine übertriebene Skepsis. Vier Studien, ihre Stärken, ihre Grenzen, und was davon für deinen Alltag relevant ist.

Was ist Magnetfeldtherapie (PEMF) und wie wird sie bei Tieren angewendet?

PEMF steht für Pulsed Electromagnetic Field Therapy. Dabei erzeugen Geräte elektromagnetische Felder in bestimmten Frequenzen und Intensitäten, die auf Gewebe einwirken sollen. Die Idee: Pulsierende Magnetfelder beeinflussen auf zellulärer Ebene Stoffwechselprozesse, etwa den Ionenaustausch an Zellmembranen und die Mikrozirkulation.

In der Veterinärmedizin wird PEMF als ergänzendes, nicht invasives Verfahren bei Erkrankungen des Bewegungsapparats diskutiert, vor allem bei Arthrose beim Pferd oder Arthrose beim Hund. Die Anwendung erfolgt berührungsarm über Magnetfelddecken, Magnetfeldmatten, Gamaschen oder Spulen.

Ein wichtiger Punkt vorab: PEMF ist kein einheitliches Verfahren. Frequenz, Intensität, Pulsdauer und Behandlungsdauer unterscheiden sich von Gerät zu Gerät erheblich. Eine Magnetfelddecke mit statischen Dauermagneten ist etwas grundsätzlich anderes als ein Gerät mit gepulsten elektromagnetischen Feldern. Die Studien in diesem Artikel beziehen sich auf gepulste Systeme (PEMF und verwandte Kurzwellenverfahren). Wenn du eine Magnetfelddecke oder Magnetfeldmatte kaufen möchtest, achte darauf, ob sie wirklich gepulst arbeitet oder nur statische Magnete enthält.

Hilft Magnetfeldtherapie bei Arthrose beim Hund?

Drei kontrollierte Studien haben diese Frage untersucht. Ihr gemeinsames Ergebnis: Regelmäßige Anwendung über Tage bis Wochen zeigt Hinweise auf positive Effekte. Einzelsitzungen nicht.

Magnetfeldtherapie braucht Wochen, nicht Minuten. Einmal reicht nicht.

Sechs Wochen tägliche Anwendung: messbar symmetrischeres Gangbild

Sutalo und Kollegen (2025) untersuchten 21 Hunde mit Arthrose in einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie. 19 Hunde wurden vollständig ausgewertet. Die Behandlungsgruppe erhielt zweimal täglich acht Minuten PEMF über spezielle Matten, mit wöchentlich gesteigerter Intensität.

Die Gangsymmetrie wurde über eine drucksensitive Laufmatte objektiv erfasst. Die Halter bewerteten die Lebensqualität über einen standardisierten Fragebogen.

Nach 42 Tagen zeigte die Behandlungsgruppe eine statistisch signifikante Verbesserung der Gangsymmetrie (p = 0,030). Der Symmetrie-Index näherte sich dem Nullwert, was auf gleichmäßigere Belastung hindeutet. Die Lebensqualitäts-Scores zeigten zwar einen positiven Trend, erreichten aber keine statistische Signifikanz. Auffällig: Die Verbesserungen traten verzögert auf, vor allem ab Woche sechs. In den ersten Wochen war kein Unterschied erkennbar.

14 Tage kontinuierliches Kurzwellenfeld: deutlich mehr Bewegungsfreude

Sprunks und Kollegen (2024) untersuchten 49 Hunde mit Arthrose in einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie. Hier wurde ein verwandtes Verfahren eingesetzt: gepulste Kurzwellentherapie (PSWT, 27,1 MHz), die unter dem breiteren Dach der Magnetfeldverfahren diskutiert wird. Das kleine Gerät wurde am Halsband befestigt und sendete 14 Tage lang rund um die Uhr ein pulsierendes Feld.

Der Beschwerdescore der Behandlungsgruppe sank um 44 Prozent (p = 0,0001). 65 Prozent der behandelten Hunde zeigten eine deutliche Verbesserung bis Tag 14, verglichen mit nur 4 Prozent in der Placebogruppe. Die passive Gelenkbeweglichkeit stieg um durchschnittlich 5,51 Grad gegenüber der Placebogruppe (p < 0,01). Verbesserungen traten überwiegend innerhalb der ersten acht Tage auf.

Eine einzelne Sitzung: kein Effekt

Leung und Kollegen (2024) testeten in einer doppelblinden Cross-Over-Studie, ob eine einzelne PEMF-Sitzung von 15 Minuten Hunden mit Hüftarthrose sofort hilft. Acht Hunde nahmen teil, das Gangbild wurde über eine drucksensitive Laufmatte objektiv erfasst. Ergebnis: kein messbarer Sofortvorteil. Die Schrittlänge war nach aktiver Behandlung sogar kürzer statt länger. Bei den Schmerz-Scores kein signifikanter Unterschied.

Was heißt das für dich? Wenn dir jemand eine einzelne Magnetfeldtherapie-Sitzung für deinen Hund mit Gelenkproblemen verkaufen will: Die Studien sprechen dagegen. Die Hinweise auf positive Effekte kommen ausschließlich aus Studien mit täglicher Anwendung über 14 Tage bis sechs Wochen. Alle drei Studien berichten keine Nebenwirkungen.

Eine einzelne Magnetfeldtherapie-Sitzung bringt keinen messbaren Vorteil. Die Studien sind da eindeutig: Wer nur einmal behandelt, kann das Geld sparen.

Hilft Magnetfeldtherapie bei Arthrose beim Pferd?

Hier ist die Antwort kurz: Wir wissen es noch nicht.

Wilson und Kollegen (2025) untersuchten die Wirkung einer einzelnen PEMF-Behandlung bei sechs Vollblut-Stuten mit Sprunggelenksarthrose. Die Studie wurde als Konferenz-Abstract (ESS 2025) veröffentlicht und verwendete ein Selbstkontroll-Design (jedes Pferd diente als eigene Kontrolle). Ein verblindeter Tierarzt bewertete das Gangbild subjektiv, zusätzlich erfassten Inertialsensoren die Asymmetrie.

Ergebnis: Der Tierarzt stellte eine Stunde nach der Behandlung subjektiv verbesserte Lahmheits-Scores fest. Die Inertialsensoren zeigten jedoch keine Verbesserung der objektiven Asymmetriewerte. Bereits am nächsten Morgen waren die Effekte abgeklungen. Falls dein Pferd Steifheit oder Anlaufschwierigkeiten zeigt, findest du Beobachtungstipps im Artikel Steifes Pferd: worauf du achten kannst.

Sechs Pferde, eine einzige Sitzung, flüchtige Effekte: Das reicht nicht, um für oder gegen Magnetfeldtherapie beim Pferd zu argumentieren. Ob regelmäßige Anwendungen beim Pferd ähnliche Effekte zeigen wie beim Hund, ist schlicht noch nicht untersucht.

Magnetfelddecke, Magnetfeldmatte, Gamasche: Welches Gerät passt?

Wer nach Magnetfeldtherapie sucht, stößt schnell auf Magnetfelddecken für Pferde und Magnetfeldmatten für Hunde. Hier ist wichtig zu unterscheiden:

Statische Magnetfelddecken enthalten fest eingenähte Dauermagnete. Sie erzeugen kein pulsierendes Feld. Die hier vorgestellten Studien sagen über diese Produkte nichts aus.

Gepulste Systeme (PEMF) erzeugen zeitlich wechselnde elektromagnetische Felder. Sie benötigen eine Stromquelle und eine Steuereinheit. Die Studien in diesem Artikel verwendeten ausschließlich gepulste Geräte.

Die Vielfalt der Geräteformen (Decke, Matte, Gamasche, Halsband-Sender, Spule) ist ein Grund, warum Studien schwer vergleichbar sind: Jede verwendete andere Frequenzen, Intensitäten und Anwendungsprotokolle. Es gibt keinen einheitlichen Standard. Wenn du ein Gerät in Betracht ziehst, frag deinen Tierarzt, welche Parameter für die Situation deines Tieres sinnvoll sein könnten.

Wo stehen die Grenzen dieser Studien?

Alle vier Studien teilen ähnliche Einschränkungen. Statt diese bei jeder Studie einzeln zu wiederholen, hier gebündelt:

Kleine Stichproben. Zwischen sechs und 49 Tieren. Das reicht für erste Hinweise, nicht für sichere Schlüsse. Große, multizentrische Studien fehlen.

Keine Langzeitdaten. Keine der Studien beobachtete die Tiere länger als sechs Wochen. Was nach Monaten passiert, ist offen.

Kein Geräte-Standard. Jede Studie verwendete ein anderes Gerät mit anderen Parametern. Sprunks und Kollegen setzten streng genommen kein klassisches PEMF ein, sondern gepulste Kurzwellentherapie (PSWT bei 27,1 MHz). Diese Verfahren sind verwandt, aber nicht identisch. Ergebnisse von einem Gerät auf ein anderes zu übertragen, ist methodisch nicht zulässig.

Subjektive Anteile. Halterbeobachtung über Fragebögen ist anfällig für Placebo-Effekte, auch wenn die Studien doppelblind waren. Die objektiven Messwerte (Ganganalyse per Laufmatte oder Sensor) sind belastbarer und bestätigen die positiven Hinweise beim Hund teilweise.

Das bedeutet nicht, dass Magnetfeldtherapie unwirksam ist. Es bedeutet, dass die Datenbasis für eine sichere Empfehlung noch nicht reicht.

Was ich bei Hausbesuchen zu Magnetfeldtherapie gefragt werde

Wenn ich mit meiner mobilen Praxis zu einem Pferd mit unklarer Lahmheit oder einem Hund mit Gelenksteifheit komme, fragen mich Halter regelmäßig, ob sich eine Magnetfelddecke oder ein PEMF-Gerät lohnt. Meine Antwort ist immer individuell, aber der rote Faden bleibt: Schau dir die Studienlage an, bevor du Geld ausgibst. Und wenn Magnetfeldtherapie, dann konsequent über Wochen, nicht einmal und dann vergessen.

In meiner Praxis arbeite ich mit einer Kombination aus Hochfrequenz-Induktion und Photobiomodulation. Das sind apparativ gestützte Verfahren, die den Bewegungsapparat ergänzend zur tierärztlichen Behandlung unterstützen können. Ich schaue mir an, wie dein Tier sich bewegt, wie es steht, wie es aufsteht. Gemeinsam ordnen wir ein, was Begleitung leisten kann und wo der Tierarzt gefragt ist.

Wenn du einen Hausbesuch für dein Pferd oder deinen Hund in Berlin und Brandenburg vereinbaren möchtest, erreichst du mich direkt.

Quellen

  1. Sutalo S, Klasen L, Tichy A, Harms O (2025). Influence of pulsed electromagnetic field (PEMF) therapy on osteoarthritis in dogs. BMC Veterinary Research. DOI: 10.1186/s12917-025-05036-9
  2. Sprunks TE, McLeod KJ, Staelin R (2024). Pulsed shortwave electromagnetic field therapy increases quality of life in canines with symptoms of osteoarthritis. Veterinary Medicine and Science. DOI: 10.1002/vms3.1408
  3. Leung G, Junnila J, Björkenheim T, Tiainen H, Hyytiäinen HK (2024). A prospective, randomised, controlled, double blinded, cross-over study on the effect of a single session of pulsed electromagnetic field therapy on signs of hip osteoarthritis in dogs. Acta Veterinaria Scandinavica. DOI: 10.1186/s13028-024-00754-w
  4. Wilson I, Kiger K, Reynolds S, Justice M, Kapadia CL, Crook RA, Fedorka CE (2025). Duration and efficacy of a single pulsed electromagnetic field (PEMF) therapy on lameness associated with osteoarthritis of the tarsus. Journal of Equine Veterinary Science, 148 (ESS 2025 Proceedings). DOI: 10.1016/j.jevs.2025.105450

Alle Angaben dienen der ergänzenden Orientierung und ersetzen keine tierärztliche Untersuchung oder Behandlung.

Übersicht: Magnetfeldtherapie bei Pferd oder Hund: 7 Fragen an deinen Tierarzt
Worauf du bei einer Magnetfeldtherapie achten kannst.

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Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen einer Magnetfelddecke mit Dauermagneten und einem PEMF-Gerät?

Eine Magnetfelddecke mit Dauermagneten erzeugt ein statisches Magnetfeld. Ein PEMF-Gerät erzeugt pulsierende, zeitlich wechselnde elektromagnetische Felder und benötigt eine Stromquelle. Die hier vorgestellten Studien untersuchten ausschließlich gepulste Systeme. Über statische Magnetfelddecken sagen diese Studien nichts aus.

Hilft eine einzelne Magnetfeldtherapie-Sitzung meinem Hund?

Nach derzeitiger Studienlage nicht. Eine einzelne PEMF-Sitzung zeigte bei Hunden mit Arthrose keinen nachhaltigen Effekt. Die Studien, die positive Hinweise lieferten, verwendeten tägliche Anwendungen über 14 Tage bis sechs Wochen. Einzeltermine ohne Folgebehandlung bringen keinen messbaren Vorteil.

Gibt es Studien zu Magnetfeldtherapie beim Pferd?

Eine Studie mit sechs Vollblut-Stuten untersuchte eine einzelne PEMF-Sitzung bei Sprunggelenksarthrose (Wilson 2025). Die subjektive Lahmheitsbeurteilung verbesserte sich für etwa eine Stunde, die objektiven Sensordaten zeigten keinen Unterschied. Ob regelmäßige Anwendungen beim Pferd ähnlich wirken wie beim Hund, ist noch nicht untersucht.

Hat Magnetfeldtherapie Nebenwirkungen bei Hund oder Pferd?

In den vier hier vorgestellten kontrollierten Studien wurden weder beim Hund noch beim Pferd Nebenwirkungen berichtet. PEMF gilt als sicheres, nicht invasives Verfahren. Die Sicherheit eines Verfahrens beantwortet allerdings nicht die Frage nach seiner Wirksamkeit im Einzelfall.

Wie lange muss Magnetfeldtherapie angewendet werden, damit sie wirkt?

Die Studien mit positiven Hinweisen verwendeten tägliche Anwendungen über mindestens 14 Tage bis sechs Wochen. In der Sutalo-Studie traten die messbaren Effekte erst ab Woche sechs auf. Die optimale Dauer ist wissenschaftlich nicht standardisiert. Besprich Dauer und Häufigkeit mit deinem Tierarzt.

Quellen

Die wissenschaftliche Grundlage zu diesem Ratgeber. Jede Angabe verweist auf die frei einsehbare Originalstudie.

  1. Šutalo S, Klasen L, Tichy A, Harms O (2025). Influence of pulsed electromagnetic field (PEMF) therapy on osteoarthritis in dogs. BMC Veterinary Research. DOI
  2. Sprunks TE, McLeod KJ, Staelin R (2024). Pulsed shortwave electromagnetic field therapy increases quality of life in canines with symptoms of osteoarthritics. Veterinary Medicine and Science. DOI
  3. Leung G, Junnila J, Björkenheim T, Tiainen H, Hyytiäinen HK (2024). A prospective, randomised, controlled, double blinded, cross-over study on the effect of a single session of pulsed electromagnetic field therapy on signs of hip osteoarthritis in dogs. Acta Veterinaria Scandinavica. DOI
  4. Wilson I, Kiger K, Reynolds S, Justice M, Kapadia CL, Crook RA, Fedorka CE (2025). Duration and efficacy of a single pulsed electromagnetic field (PEMF) therapy on lameness associated with osteoarthritis of the tarsus. Journal of Equine Veterinary Science (Vol. 148, S. 105450). DOI

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Oliver Winkel

Oliver Winkel ist mobiler Tierheilpraktiker für Pferd und Hund in Berlin und Brandenburg. Er arbeitet ergänzend zur tierärztlichen Behandlung mit Hochfrequenz-Induktion und Photobiomodulation. CellRepair – Das Tierkonzept by Oliver Winkel®

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