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Dein Pferd lahmt und der Tierarzt findet nichts: Was du als Halter jetzt tun kannst

Von Oliver Winkel, mobiler Tierheilpraktiker ·

Kurz gesagt

Wenn dein Pferd lahmt und der Tierarzt keine Ursache findet, bedeutet das nicht, dass es keine gibt. Es bedeutet, dass sie bei der bisherigen Untersuchung nicht sichtbar war. Häufige versteckte Auslöser sind muskuläre Verspannungen, Rückenprobleme, Beckenasymmetrien oder eine ungünstige Hufbalance. Als Halter kannst du jetzt drei Dinge tun: das Gangbild systematisch filmen, den Rücken und die Hufsituation gezielt beobachten und bei Bedarf eine Zweitmeinung oder eine ganzheitliche Betrachtung ergänzend zur tierärztlichen Behandlung einholen. Das hier ersetzt keinen Tierarzt, sondern gibt dir Orientierung für die nächsten Schritte.

Wann du sofort zum Tierarzt gehst

  • Plötzliche, deutliche Verschlechterung oder starke Schmerzen
  • Das Tier belastet ein Bein nicht mehr oder frisst gar nicht
  • Fieber, Schwellung mit Wärme oder gestörtes Allgemeinbefinden

Diese Seite gibt Orientierung, ersetzt aber keine tierärztliche Untersuchung.

Warum findet der Tierarzt manchmal keine Ursache für die Lahmheit?

Nicht jede Lahmheit ist bei einer einzelnen Untersuchung reproduzierbar. Manche Ursachen zeigen sich nur unter Belastung, auf bestimmtem Boden oder nach längerer Arbeit.

Die tierärztliche Lahmheitsuntersuchung folgt einem klaren Protokoll: Vorführen im Schritt und Trab, Beugeproben, bei Bedarf Leitungsanästhesie (bei der das Bein abschnittsweise betäubt wird, um den Schmerzbereich einzugrenzen) und bildgebende Verfahren wie Röntgen oder Ultraschall. Dieses Protokoll ist bewährt und gründlich. Es erfasst die meisten Ursachen zuverlässig.

Aber es gibt Bereiche, die im Standardverfahren schwerer zugänglich sind. Tiefe Muskulatur, das Iliosakralgelenk, Rückenwirbel oder Weichteilstrukturen im Hufbereich zeigen sich im Röntgen oft unauffällig, obwohl dort eine Schmerzquelle liegt. Ebenso können intermittierende Lahmheiten (die nur manchmal auftreten) beim Untersuchungstermin gerade nicht sichtbar sein. Eine unauffällige Untersuchung ist also kein Freispruch, sondern eine Momentaufnahme.

Welche versteckten Ursachen stecken häufig hinter einer unklaren Lahmheit?

Hinter einer Lahmheit ohne Befund verbergen sich oft Ursachen in der Hufbalance, im Rücken, in der Muskulatur oder in der Gesamtbelastung des Bewegungsapparates.

Hufbearbeitung und Hufbalance: Eine subtile Fehlstellung der Hufe, ein zu langer Beschlagszyklus oder eine ungleichmäßige Hufform können eine niedriggradige Lahmheit auslösen, die bei der klinischen Untersuchung kaum sichtbar ist. Der Huf ist die Basis der gesamten Gliedmaße, und kleine Abweichungen wirken sich auf Gelenke und Sehnen nach oben aus.

Kompensatorische Lahmheit: Wenn ein Pferd ein Bein subtil entlastet (etwa wegen eines leichten Hufproblems oder einer alten Verletzung), überlastet es ein anderes Bein. Das Ergebnis: die Lahmheit scheint zu wandern oder die Seite zu wechseln. In der Fachsprache heißt das kompensatorische Lahmheit, und sie ist einer der häufigsten Gründe für wechselnde Befunde.

Systemische Faktoren: In seltenen Fällen können metabolische Erkrankungen wie PSSM (Polysaccharid-Speicher-Myopathie) oder Infektionen wie Borreliose Lahmheitssymptome verursachen, die im orthopädischen Standardprotokoll nicht erfasst werden.

Eine unauffällige Untersuchung ist kein Freispruch, sondern eine Momentaufnahme.

Kann die Lahmheit meines Pferdes vom Rücken oder von der Muskulatur kommen?

Ja. Rückenprobleme und muskuläre Verspannungen gehören zu den häufigsten übersehenen Ursachen für unklare Lahmheiten, besonders an der Hinterhand.

Eine Feldstudie zur Prävalenz von Lahmheit bei Pferden mit Rückenproblemen ergab, dass bei knapp drei Vierteln der betroffenen Pferde gleichzeitig eine Lahmheit vorlag (Landman et al., Veterinary Record, 2004). Die Verbindung funktioniert in beide Richtungen: Rückenprobleme können eine Lahmheit auslösen, und eine bestehende Lahmheit kann über veränderte Bewegungsmuster sekundäre Rückenschmerzen verursachen.

Praktisch bedeutet das: Wenn die Gliedmaßenuntersuchung unauffällig bleibt, lohnt sich ein gezielter Blick auf den Zusammenhang zwischen Rückenmuskulatur und Lahmheit. Druckempfindlichkeit im Bereich des langen Rückenmuskels, Wegdrücken beim Satteln oder ein verändertes Aufwölben des Rückens unter dem Reiter können Hinweise sein.

Auch der Sattel verdient Aufmerksamkeit. Ein schlecht passender Sattel kann über Monate eine muskuläre Verspannung aufbauen, die sich irgendwann als Taktunreinheit oder Lahmheit zeigt.

Was kann ich als Halter selbst beobachten und dokumentieren?

Du kannst als Halter entscheidende Informationen sammeln, die dem Tierarzt bei der nächsten Untersuchung weiterhelfen. Dein Vorteil: Du siehst dein Pferd jeden Tag.

Gangbild filmen: Filme dein Pferd im Trab auf hartem Boden, geradeaus und auf dem Zirkel in beide Richtungen. Wiederhole das an mindestens drei verschiedenen Tagen, möglichst zu unterschiedlichen Zeiten. So entsteht ein Verlaufsmuster, das zeigt, ob die Lahmheit konstant ist, zunimmt, abnimmt oder die Seite wechselt.

Wärme und Schwellung prüfen: Taste die Beine deines Pferdes regelmäßig ab, direkt nach der Bewegung und in Ruhe. Vergleiche immer links mit rechts. Achte auf Wärme, Schwellung oder eine verstärkte Pulsation im Bereich der Fesselbeuge.

Rücken und Kruppe abtasten: Streiche mit gleichmäßigem Druck entlang des Rückenmuskels von der Sattellage bis zur Kruppe. Beobachte die Reaktion: Wegdrücken, Muskelzucken, Ohrenanlegen oder Schweifschlagen deuten auf Empfindlichkeit hin.

Verlauf protokollieren: Notiere, wann die Lahmheit stärker wird (morgens nach dem Aufstehen, nach Belastung, auf weichem Boden, bei Kälte) und wann sie nachlässt. Diese Informationen helfen dem Tierarzt, die Suche gezielt einzuengen.

Wann sollte ich eine Zweitmeinung oder eine Klinik aufsuchen?

Wenn die Lahmheit nach vier bis sechs Wochen trotz Schonung nicht besser wird oder sich verschlechtert, ist eine Überweisung in eine Klinik mit erweiterter Diagnostik der logische nächste Schritt.

Kliniken verfügen über Verfahren, die in der Praxis vor Ort oft nicht zur Verfügung stehen. Szintigraphie (Knochenszintigrafie) macht entzündliche Prozesse sichtbar, die im Röntgen noch nicht zu sehen sind. MRT (Magnetresonanztomographie) zeigt Weichteilschäden in Sehnen, Bändern und im Hufbereich mit hoher Auflösung. Dynamische Untersuchungen auf dem Laufband ermöglichen eine Ganganalyse unter kontrollierten Bedingungen.

Eine Zweitmeinung ist kein Misstrauensvotum gegenüber deinem Haustierarzt. Lahmheitsdiagnostik ist komplex, und ein zweiter Blick mit anderen Geräten kann genau den Befund liefern, der beim ersten Mal nicht sichtbar war.

Sofort zum Tierarzt solltest du, wenn die Lahmheit plötzlich und hochgradig auftritt, wenn das Pferd ein Bein gar nicht mehr belastet, wenn Schwellung, Wärme oder Fieber dazukommen, oder wenn der Allgemeinzustand sich verschlechtert.

Wie kann ein ganzheitlicher Blick auf das Pferd weiterhelfen?

Ein ganzheitlicher Blick betrachtet nicht nur die lahmende Gliedmaße, sondern das Pferd als Gesamtsystem: Bewegungsmuster, Muskulatur, Rücken, Hufbalance und Fütterung.

Ergänzend zur tierärztlichen Behandlung kann eine solche Betrachtung Zusammenhänge sichtbar machen, die bei der Einzeluntersuchung eines Beines untergehen. Beispielsweise kann eine Unterversorgung mit Spurenelementen wie Zink, Selen oder Vitamin E die Qualität von Hufhorn und Muskulatur beeinflussen, was sich langfristig auf den Bewegungsapparat auswirkt. Eine Analyse der Rolle der Fütterung für den Bewegungsapparat kann hier Klarheit schaffen.

Ergänzende, apparativ gestützte Begleitverfahren zur allgemeinen Unterstützung von Muskulatur und Wohlbefinden können Teil einer solchen Begleitung sein. Das ersetzt weder die tierärztliche Diagnostik noch die Behandlung, kann aber als ergänzende Begleitung dazu beitragen, das Gesamtbild zu vervollständigen. Wer einen mobilen Tierheilpraktiker in seiner Region hinzuzieht, bekommt einen zusätzlichen Blickwinkel auf das Pferd in seinem gewohnten Umfeld.

Der ganzheitliche Ansatz bedeutet auch: Haltung, Bewegung und Sozialkontakte mitdenken. Ein Pferd, das den ganzen Tag in der Box steht, bewegt sich anders als eines mit ganztägigem Weidegang, und diese Unterschiede wirken sich auf Muskulatur und Gelenke aus.

Checkliste: 7 konkrete Schritte bei Lahmheit ohne Befund

Wenn dein Pferd lahmt und die bisherige Untersuchung keine klare Ursache ergeben hat, geben dir diese sieben Schritte Orientierung und Handlungsfähigkeit zurück. Sie ersetzen keinen Tierarzt, sondern ergänzen die tierärztliche Betreuung.

  1. Gangbild filmen: Trab auf hartem Boden, geradeaus und auf dem Zirkel, an mindestens drei verschiedenen Tagen. Smartphone reicht, Kamera auf Hüfthöhe halten.
  2. Wärme und Pulsation prüfen: Beine nach der Bewegung und in Ruhe abtasten. Links und rechts vergleichen. Auf Wärme, Schwellung und verstärkte Pulsation in der Fesselbeuge achten.
  3. Hufbearbeitung hinterfragen: Wann war der letzte Beschlag oder das letzte Ausschneiden? Steht das Pferd gerade auf den Hufen? Den Hufschmied gezielt auf Hufbalance ansprechen.
  4. Rücken und Sattelsituation dokumentieren: Rückenmuskel entlang abtasten und die Reaktion notieren. Sattelpassform prüfen lassen, besonders bei Pferden, die sich im Rücken verändert haben.
  5. Zweitmeinung einholen: Nach vier bis sechs Wochen ohne Besserung eine Klinik mit Szintigraphie oder MRT aufsuchen. Alle bisherigen Befunde und die eigenen Filmaufnahmen mitbringen.
  6. Ganzheitliche Begleitung erwägen: Ergänzend zur tierärztlichen Behandlung kann ein ganzheitlicher Blick auf Bewegung, Muskulatur und Fütterung Zusammenhänge sichtbar machen, die bei der Einzeluntersuchung untergehen.
  7. Verlauf protokollieren: Wann lahmt das Pferd stärker, wann weniger? Nach dem Aufstehen, nach Belastung, auf bestimmtem Boden, bei Temperaturwechsel? Jede Information hilft dem Tierarzt bei der nächsten Untersuchung.

Diese Checkliste ist kein Ersatz für eine tierärztliche Diagnose, sondern eine Orientierung, die dir als Halter hilft, die richtigen Fragen zu stellen und die richtigen Beobachtungen zu sammeln.

Kennst du jemanden, dem das gerade hilft? Schick es ihm.

Oliver Winkel, Tierheilpraktiker, Region Berlin/Brandenburg. Ergänzend zur tierärztlichen Behandlung. Mehr auf therapie-fuer-tiere.berlin. Einen Termin für einen Hausbesuch vereinbaren.

Oliver Winkel bei der Behandlung am Pferdebein im Stall
7 Punkte, auf die du bei einer Lahmheit ohne Befund achten kannst.

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Dein Beobachtungs-Zettel

Halte in Ruhe fest, was du bei deinem Tier siehst. Am Ende machst du daraus einen ausdruckbaren Zettel für den nächsten Termin. Nichts wird gespeichert oder gesendet, und er ersetzt keine tierärztliche Untersuchung.

Seit wann fällt es dir auf?
Eher vorne oder hinten?
Immer gleich oder schwankend?
Auf hartem Boden deutlicher?
Wärme oder Schwellung tastbar?

Häufige Fragen

Warum lahmt mein Pferd, obwohl der Tierarzt nichts findet?

Das bedeutet, dass die Ursache bei der bisherigen Untersuchung nicht sichtbar war. Häufige versteckte Auslöser sind muskuläre Verspannungen, Rückenprobleme, eine ungünstige Hufbalance oder kompensatorische Belastungsmuster. Manche Lahmheiten treten nur unter bestimmten Bedingungen auf und sind beim Untersuchungstermin nicht reproduzierbar. Eine erweiterte Diagnostik in einer Klinik kann den nächsten Schritt bringen.

Kann eine falsche Hufbearbeitung eine unklare Lahmheit verursachen?

Ja. Eine subtile Fehlstellung, ein zu langer Beschlagszyklus oder eine ungleichmäßige Hufform können eine niedriggradige Lahmheit auslösen, die bei der klinischen Untersuchung kaum auffällt. Der Huf ist die Basis der gesamten Gliedmaße, und kleine Abweichungen wirken sich auf Gelenke und Sehnen nach oben aus. Ein Gespräch mit dem Hufschmied über die aktuelle Hufbalance ist in solchen Fällen sinnvoll.

Was ist eine kompensatorische Lahmheit beim Pferd?

Bei einer kompensatorischen Lahmheit entlastet das Pferd eine schmerzhafte Gliedmaße und belastet dadurch eine andere stärker. Das kann dazu führen, dass die Lahmheit scheinbar die Seite wechselt oder dass ein vorher gesundes Bein Probleme zeigt. Dieser Mechanismus ist einer der häufigsten Gründe für wechselnde oder schwer eingrenzbare Lahmheitsbefunde.

Wie hängen Rückenprobleme und Lahmheit beim Pferd zusammen?

Rückenprobleme und Lahmheit beeinflussen sich gegenseitig. Eine Feldstudie ergab, dass bei Pferden mit diagnostizierten Rückenproblemen in knapp drei Vierteln der Fälle gleichzeitig eine Lahmheit vorlag (Landman et al., Veterinary Record, 2004). Rückenverspannungen können eine Hinterhandlahmheit auslösen, und umgekehrt kann eine bestehende Gliedmaßenlahmheit über veränderte Bewegungsmuster sekundäre Rückenschmerzen verursachen. Ergänzend zur tierärztlichen Behandlung kann die Beurteilung der Rückenmuskulatur Hinweise geben.

Was kann ein Tierheilpraktiker bei unklarer Lahmheit tun?

Ein Tierheilpraktiker kann ergänzend zur tierärztlichen Behandlung das Pferd als Gesamtsystem betrachten: Bewegungsmuster, Muskulatur, Rücken, Hufbalance und Fütterungssituation. Ergänzende, apparativ gestützte Begleitverfahren zur allgemeinen Unterstützung von Muskulatur und Wohlbefinden können Teil dieser Begleitung sein. Das ersetzt keine tierärztliche Diagnostik und keine tierärztliche Behandlung, kann aber den Blick auf Zusammenhänge erweitern, die bei der Einzeluntersuchung einer Gliedmaße untergehen.

Wann muss ich mit meinem lahmenden Pferd in die Klinik?

Sofort zum Tierarzt solltest du bei plötzlicher, hochgradiger Lahmheit, wenn das Pferd ein Bein gar nicht mehr belastet, bei Schwellung mit Wärme oder Fieber und bei Verschlechterung des Allgemeinzustands. Bei einer niedriggradigen Lahmheit ohne Befund empfiehlt sich nach vier bis sechs Wochen ohne Besserung eine Überweisung in eine Klinik mit erweiterter Diagnostik wie Szintigraphie oder MRT.

Oliver Winkel, mobiler Tierheilpraktiker

Oliver Winkel

Oliver Winkel ist mobiler Tierheilpraktiker für Pferde und Hunde in der Region Berlin/Brandenburg. Seine Arbeit verbindet eine systematische Betrachtung von Bewegung, Muskulatur und Fütterung mit ergänzenden Verfahren wie Hochfrequenz-Induktion und Photobiomodulation, die der allgemeinen Unterstützung von Wohlbefinden und Muskulatur dienen. Alle Inhalte dienen der Orientierung, ergänzend zur tierärztlichen Behandlung. Mehr auf therapie-fuer-tiere.berlin.

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