Wissen für Pferdehalter

Warum baut mein Pferd Muskeln ab und was haben Fütterung und Bewegung damit zu tun?

Von Oliver Winkel, mobiler Tierheilpraktiker ·

Kurz gesagt

Muskelabbau beim Pferd entsteht häufig durch das Zusammenspiel von Fütterungsfehlern und unpassender Bewegung. Fehlendes oder minderwertiges Eiweiß, ein Mangel an den essentiellen Aminosäuren Lysin, Methionin und Threonin sowie ein Energiedefizit in der Ration nehmen dem Körper die Bausteine für gesunde Muskulatur. Gleichzeitig braucht jeder Muskel einen gezielten Trainingsreiz und ausreichend Regeneration, um wachsen zu können. Beide Faktoren müssen gleichzeitig stimmen, damit Muskulatur aufgebaut und erhalten werden kann. Ergänzend zur tierärztlichen Abklärung lohnt sich deshalb immer ein ruhiger Blick auf Ration und Bewegungsalltag.

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Woran erkenne ich, dass mein Pferd schlecht bemuskelt ist?

Ein schlecht bemuskeltes Pferd zeigt sich vor allem an der Oberlinie: Die Wirbelsäule tritt sichtbar hervor, statt zwischen zwei kräftigen Muskelsträngen eingebettet zu liegen. Am Oberhals fehlt die typische Wölbung, und zwischen Halswirbelsäule und Mähnenkamm entsteht eine dreieckige Mulde.

Weitere Hinweise findest du an der Kruppenmuskulatur und am Übergang zwischen Widerrist und Rücken. Wenn dort Kuhlen sichtbar sind oder die Hüfthöcker deutlich hervortreten, obwohl dein Pferd nicht mager ist, deutet das auf einen Muskelrückgang hin. Auch im Bewegungsbild zeigt sich schwache Muskulatur: Das Pferd wirkt steif, läuft unrund oder zeigt Taktunreinheiten, die sich nach dem Aufwärmen nur teilweise bessern.

Ein guter erster Schritt ist, dein Pferd regelmäßig von hinten, von der Seite und von oben (zum Beispiel von einer Aufstiegshilfe aus) zu betrachten und dabei auf Symmetrie zu achten. Seitendifferenzen in der Bemuskelung, etwa eine schwächer ausgeprägte Schulter oder Kruppe auf einer Seite, geben wichtige Hinweise auf Schonhaltungen oder einseitiges Training.

Welche Rolle spielt die Fütterung beim Muskelabbau des Pferdes?

Die Fütterung liefert dem Körper die Bausteine, aus denen Muskulatur überhaupt erst entstehen kann. Fehlen diese Bausteine, kann das Pferd trotz Training keine Muskelmasse aufbauen oder erhalten.

Muskeln bestehen zum Großteil aus Protein. Damit der Körper dieses Protein bilden kann, braucht er ausreichend hochwertiges Eiweiß in der täglichen Ration. Beim Pferd im Erhaltungsbedarf liegt der Richtwert bei etwa 1 bis 1,3 Gramm Rohprotein pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. Bei einem 600 Kilogramm schweren Warmblut sind das rund 600 bis 780 Gramm Rohprotein täglich. Kommt Arbeit dazu, steigt der Bedarf.

Entscheidend ist dabei nicht nur die Menge, sondern die Qualität des Eiweißes. Hochwertiges Protein enthält alle essentiellen Aminosäuren in einem für das Pferd günstigen Verhältnis. Gutes Heu liefert in der Regel eine solide Grundversorgung. Allerdings: Wird das Heu gewaschen oder bedampft (zum Beispiel bei Atemwegsproblemen), kann der Gehalt an im Dünndarm verdaulichem Rohprotein und an essentiellen Aminosäuren deutlich sinken. Hier lohnt sich eine gezielte Heubeprobung, um zu wissen, was in der Grundlage tatsächlich drinsteckt.

Ein weiterer häufiger Fehler ist ein verstecktes Energiedefizit. Wenn das Pferd insgesamt zu wenig Energie bekommt, nutzt der Körper Protein zur Energiegewinnung statt zum Muskelaufbau. In diesem Fall bringt selbst eine gute Proteinzufuhr wenig.

Muskeln wachsen nicht im Futtertrog. Ohne die passende Bewegung verpufft auch die beste Ration.

Welche Aminosäuren braucht mein Pferd für gesunde Muskulatur?

Die drei essentiellen Aminosäuren Lysin, Methionin und Threonin sind für das Pferd besonders wichtig, weil der Körper sie nicht selbst herstellen kann.

Lysin ist dabei die sogenannte erstlimitierende Aminosäure: Ist zu wenig Lysin in der Ration, kann der Körper das gesamte verfügbare Protein nicht vollständig verwerten. Selbst wenn alle anderen Aminosäuren ausreichend vorhanden sind, begrenzt ein Lysinmangel die Proteinsynthese. Das Bild dazu ist das Fass mit dem kürzesten Dauben-Brett: Nur bis zu dieser Höhe kann Wasser (in diesem Fall Protein) gehalten werden.

Methionin liefert den Schwefel, der Proteinen ihre Stabilität gibt, und ist gleichzeitig wichtig für Huf, Fell und Bindegewebe. Threonin unterstützt unter anderem die Bildung von Antikörpern und die Darmgesundheit.

Gute natürliche Quellen für diese Aminosäuren sind Luzerne, Sojaextraktionsschrot und hochwertiges Weidegras. Auch Hafer enthält in Relation zu anderen Getreidesorten ein günstiges Aminosäurenprofil. Ob dein Pferd tatsächlich ausreichend versorgt ist, lässt sich über eine individuelle Fütterungsauswertung für dein Pferd klären, bei der die gesamte Ration auf Eiweiß, Aminosäuren, Energie und Mineralstoffe geprüft wird.

Warum baut mein Pferd trotz gutem Futter keine Muskeln auf?

Wenn die Fütterung auf dem Papier stimmt, das Pferd aber trotzdem schlecht bemuskelt bleibt, gibt es mehrere mögliche Erklärungen.

Die häufigste: Es fehlt der passende Bewegungsreiz. Ohne Trainingsreiz hat der Körper keinen Grund, Muskulatur aufzubauen, egal wie viel Protein in der Ration steckt. Eiweiß ist der Baustoff, Bewegung ist der Bauplan.

Eine weitere Ursache kann eine eingeschränkte Nährstoffverwertung sein. Zahnprobleme, ein unruhiger Magen oder eine gestörte Darmflora können dazu führen, dass das Pferd die Nährstoffe zwar aufnimmt, aber nicht richtig verwertet. Auch chronische Schmerzen (etwa im Rücken, in den Gelenken oder den Hufen) führen häufig zu Schonhaltungen, und ein Pferd in Schonhaltung baut in den entlasteten Bereichen Muskulatur ab, obwohl Futter und Grundbewegung vorhanden wären.

Nicht zuletzt kann ein hormonelles Ungleichgewicht hinter dem Muskelabbau stecken. Gerade bei älteren Pferden wird das Thema Cushing (PPID) relevant, das unter anderem mit Muskelabbau einhergeht. In solchen Fällen ist eine tierärztliche Abklärung unbedingt der richtige erste Schritt.

Wie hängen Bewegung und Muskelaufbau beim Pferd zusammen?

Muskulatur wächst nicht während der Belastung, sondern in der Ruhephase danach. Training setzt den Reiz, Regeneration sorgt für die Anpassung.

Damit Muskelaufbau stattfinden kann, braucht das Pferd regelmäßige, abwechslungsreiche Trainingsreize. Das bedeutet nicht tägliches Leistungstraining, sondern eine sinnvolle Mischung aus verschiedenen Anforderungen: Schritt, Trab, Galopp, Übergänge, Stangenarbeit, Bergauf und Bergab, Longieren, Reiten und auch geführte Spaziergänge im Gelände. Abwechslung ist wichtiger als Intensität.

Entscheidend ist, dass zwischen den Trainingseinheiten ausreichend Erholungszeit liegt. Die Faustregel: Auf einen Trainingstag mit gezielter Anforderung sollte mindestens ein leichterer Tag oder ein Ruhetag folgen. Pferde, die täglich in gleicher Intensität gearbeitet werden, kommen häufig nicht in die nötige Regenerationsphase und bauen trotz Bewegung keine Muskulatur auf.

Ebenso wichtig ist die Grundbewegung im Alltag. Ein Pferd, das den Großteil des Tages in der Box steht und nur eine Stunde bewegt wird, hat deutlich schlechtere Voraussetzungen für den Muskelaufbau als eines, das auf einem Paddock oder in einem Offenstall freie Bewegung hat. Der ständige, gleichmäßige Bewegungsreiz im Schritt unterstützt die Durchblutung der Muskulatur und fördert die Regeneration.

Checkliste: 5 häufige Fütterungs- und Bewegungsfehler, die Muskelabbau begünstigen

  1. Zu wenig Eiweiß in der Ration: Die Heubasis deckt den Proteinbedarf nicht, und es wird kein eiweißreiches Zusatzfutter (zum Beispiel Luzerne) ergänzt. Besonders bei gewaschenem oder bedampftem Heu ist der Aminosäurenverlust erheblich.
  2. Lysinmangel trotz hoher Gesamteiweißmenge: Viel Protein hilft nichts, wenn die erstlimitierende Aminosäure Lysin fehlt. Die Gesamtmenge sagt wenig über die Qualität aus.
  3. Verstecktes Energiedefizit: Das Pferd bekommt zu wenig Kalorien, und der Körper nutzt das vorhandene Eiweiß zur Energiegewinnung statt zum Muskelaufbau.
  4. Zu wenig oder zu einseitige Bewegung: Tägliches Schrittreiten ohne gezielte Trainingsreize oder ausschließliches Arbeiten in einer Gangart reicht nicht aus, um Muskulatur aufzubauen.
  5. Fehlende Regeneration: Tägliches intensives Training ohne Pausen verhindert, dass der Körper die belasteten Strukturen reparieren und anpassen kann. Der Muskel wächst in der Pause.

Wann sollte ich den Tierarzt hinzuziehen?

Muskelabbau kann ein Hinweis auf tieferliegende gesundheitliche Probleme sein. Eine tierärztliche Abklärung ist immer dann der richtige Schritt, wenn:

  • der Muskelabbau plötzlich und ohne erkennbare Ursache eintritt,
  • das Pferd trotz angepasster Fütterung und regelmäßigem Training nicht an Muskulatur zulegt,
  • zusätzliche Auffälligkeiten auftreten, zum Beispiel Gewichtsverlust, Leistungsabfall, vermehrtes Trinken, ein stumpfes Fellbild oder Verhaltensveränderungen,
  • dein Pferd Schmerzen zeigt, etwa durch Sattelzwang, Taktunreinheiten oder Widersetzlichkeiten beim Reiten,
  • dein Pferd älter als 15 Jahre ist und einen schleichenden Muskelabbau zeigt, denn dann steht das Thema PPID (Equines Cushing-Syndrom) im Raum.

Ein Tierarzt kann durch Blutbild, klinische Untersuchung und gegebenenfalls weiterführende Diagnostik klären, ob eine Erkrankung hinter dem Muskelabbau steckt. Die hier beschriebenen Maßnahmen zu Fütterung und Bewegung ergänzen die tierärztliche Behandlung, ersetzen sie aber nicht.

So unterstütze ich mein Pferd ganzheitlich beim Muskelaufbau

Muskelaufbau beim Pferd ist kein einzelner Hebel, sondern ein Zusammenspiel aus Fütterung, Bewegung, Haltung und Gesundheit. Ein ruhiger, planvoller Ansatz bringt mehr als schnelle Lösungen.

Der erste Schritt ist ein ehrlicher Blick auf die Ration. Lass dein Heu beproben, damit du weißt, wie viel Protein und welche Aminosäuren dein Pferd über die Grundlage bekommt. Gleiche die Werte mit dem tatsächlichen Bedarf ab (unter Berücksichtigung von Gewicht, Alter, Arbeit und Haltungsbedingungen). Eine individuelle Fütterungsauswertung für dein Pferd kann hier Klarheit schaffen.

Der zweite Schritt betrifft die Bewegung. Prüfe, ob dein Pferd regelmäßig und abwechslungsreich trainiert wird und ob genügend Regenerationsphasen eingeplant sind. Prüfe auch die Grundbewegung: Wie viel freie Bewegung hat dein Pferd über den Tag verteilt?

Der dritte Schritt ist die ganzheitliche Begleitung des Bewegungsapparats. Wenn Schmerzen, Verspannungen oder Schonhaltungen den Muskelaufbau behindern, kann eine ergänzende, apparativ gestützte Begleitung zur allgemeinen Unterstützung von Muskulatur und Wohlbefinden sinnvoll sein. Als mobiler Tierheilpraktiker schaue ich mir beim Hausbesuch Bewegungsbild, Muskulatur und Gesamtzustand deines Pferdes an und bespreche mit dir, welche Schritte Sinn ergeben.

Wenn du dir zwischen den Terminen Orientierung wünschst, ist der CellRepair Begleiter zur Orientierung genau dafür gedacht: ein ruhiger, digitaler Begleiter, der dir hilft, im Alltag die richtigen Dinge im Blick zu behalten. Aktuell befindet sich der Begleiter in der Aufbauphase. Trag dich auf die Warteliste ein, um als Erste(r) davon zu erfahren.

Muskelaufbau braucht Zeit. Bei einem gesunden Pferd, das wieder ins Training kommt, kannst du nach etwa acht bis zwölf Wochen mit sichtbaren Veränderungen rechnen. Geduld, Beobachtung und eine Ration, die zum tatsächlichen Bedarf passt, sind die wichtigsten Verbündeten.

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Übersicht: Fütterung und Bewegung für den Muskelaufbau beim Pferd
Wo Fütterung und Bewegung beim Muskelaufbau ansetzen.

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Häufige Fragen

Kann mein Pferd allein durch Fütterung Muskeln aufbauen?

Nein. Fütterung liefert die Bausteine (vor allem Eiweiß und essentielle Aminosäuren), aber ohne Trainingsreiz und ausreichend Regeneration baut der Körper keine neue Muskulatur auf. Eiweiß ist der Baustoff, Bewegung ist der Bauplan. Beides muss zusammenspielen.

Welche Aminosäure ist die wichtigste für den Muskelaufbau beim Pferd?

Lysin ist die erstlimitierende Aminosäure beim Pferd. Das bedeutet: Ist zu wenig Lysin in der Ration, kann der Körper das gesamte verfügbare Protein nicht vollständig für den Muskelaufbau nutzen, selbst wenn alle anderen Aminosäuren ausreichend vorhanden sind.

Verliert bedampftes Heu Aminosäuren?

Ja. Beim Bedampfen können durch die sogenannte Maillard-Reaktion essentielle Aminosäuren geschädigt werden. Der Gehalt an im Dünndarm verdaulichem Rohprotein und Aminosäuren sinkt erheblich. Wenn dein Pferd ausschließlich bedampftes Heu bekommt, solltest du die Aminosäurenversorgung gezielt prüfen und gegebenenfalls ergänzen.

Wie lange dauert Muskelaufbau beim Pferd?

Bei einem gesunden Pferd, das nach einer Pause wieder ins Training kommt, sind erste sichtbare Veränderungen nach etwa acht bis zwölf Wochen zu erwarten. Ein Pferd, das bereits regelmäßig trainiert wird und dessen Fütterung angepasst wird, kann schon nach vier bis sechs Wochen positive Entwicklungen zeigen. Geduld und Konsequenz sind entscheidend.

Wann ist Muskelabbau beim Pferd ein Fall für den Tierarzt?

Wenn der Muskelabbau plötzlich auftritt, trotz angepasster Fütterung und Training bestehen bleibt, oder wenn zusätzliche Anzeichen wie Gewichtsverlust, Leistungsabfall, stumpfes Fell oder vermehrtes Trinken hinzukommen. Gerade bei älteren Pferden sollte das Thema PPID (Equines Cushing-Syndrom) tierärztlich abgeklärt werden.

Oliver Winkel, mobiler Tierheilpraktiker

Oliver Winkel

Oliver Winkel ist mobiler Tierheilpraktiker in der Region Berlin und Brandenburg. Er kommt zum Tier und arbeitet ergänzend zur tierärztlichen Behandlung mit einer Kombination aus Hochfrequenz-Induktion und Photobiomodulation sowie individueller Fütterungsauswertung. Sein Fokus liegt auf der Begleitung von Pferden und Hunden im Bereich Bewegungsapparat und Wohlbefinden. CellRepair – Das Tierkonzept by Oliver Winkel® | therapie-fuer-tiere.berlin

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